Chronik Kinderchor

Im August 2005 fieberten 25 Kinder ihrer ersten gemeinsamen Chorprobe entgegen. Eines war allen gemeinsam, sie durften keine Angst vor Hexen haben, denn sie sollten als Kinderchor die Neuinszenierung der Märchenoper „Hänsel und Gretel“ bereichern. Das klassische Weihnachts-Familienstück von Engelbert Humperdinck stellt wegen seiner Mehrstimmigkeit und Tonlagen für ungeübte Kinderstimmen eine echte Herausforderung dar. Einige Wochen zuvor hatten sie bereits ihre ersten Hürde auf dem Weg zur jungen Gesangskarriere in Form eines Vorsingens in der Staatsoperette gemeistert.. Neben einer Strophe von „Alle Vögel sind schon da“ mussten die jungen Bewerber auch ein selbstgewähltes Lied vor einer kritischen Jury zum Besten geben.

Nun standen sie also aufgeregt vor Martin Wagner, der die schwierige Aufgabe übernommen hatte, innerhalb von drei Monaten aus den jungen Naturtalenten einen bühnenreifen Kinderchor zu formen, der sowohl den hohen Ansprüchen der Staatsoperette als auch der bekannten 1893 in Weimar uraufgeführten Märchenoper gerecht werden konnte. Und sie begannen bereits am ersten Probentag mit einer einstimmigen Melodie aus „Hänsel und Gretel“: „Schaut, oh schaut das Wunder an, wie die Hexe hexen kann!“ Ob den Kindern damals schon bewusst war, dass sie tatsächlich ein Wunder vollbringen werden? Sollte es ihnen unter der strengen Leitung von Martin Wagner tatsächlich gelingen, bei den beiden Premierenvorstellungen am 2. und 3. Dezember 2005 sowohl das Publikum begeistern als auch die Kritiker überzeugen zu können? Und dem erfahrenen Chorleiter gelang dies tatsächlich – ganz ohne Hexerei, aber mit konsequenter Probenarbeit und eiserner Disziplin. Parallel zu den gemeinsamen Proben formte seine Ehefrau Grit Wagner in der wöchentlichen Stimmbildung die Naturbegabungen der Kinder zu auftrittsreifen Chorstimmen.
Nach der anstrengenden Probenzeit begann nun für die frischgebackenen Chorkinder die aufregende Zeit der Bühnenauftritte. Insgesamt 11 Vorstellungen standen in der Adventszeit auf dem Programm, mit denen die Staatsoperette Alt wie Jung auf Weihnachten einstimmte. Mit „Erlöst, befreit, für alle Zeit“ strahlten die jungen Sänger als erlöste Lebkuchenkinder wahrhaftige Freude über die glückliche Rettung durch die mutige Gretel aus. Erlöst und befreit waren einige der Kinder nun auch vom Lampenfieber bei ihrem ersten Bühnenauftritt. Und wenn das Ensemble gemeinsam mit dem Kinderchor den Schlusschoral „Wenn die Not aufs Höchst steigt, Gott der Herr die Hand uns reicht!“ anstimmte, erzeugten die Kinderstimmen bei Klein und Groß regelmäßig Gänsehaut. Spätestens jetzt war der Grundstein für eine erfolgreiche musikalische Zukunft gelegt – der Kinderchor der Staatsoperette war geboren und sollte zum festen Bestandteil des Ensembles werden.

Seitdem bereichert der erfolgreiche Kinderchor das Programm der Staatsoperette. Im Kindermusical  „Emil und die Detektive“ stand im Folgejahr der noch junge Kinderchor sogar im Mittelpunkt, einige Chorkinder durften ihr mimisches und musikalisches Talent sogar in Solorollen auf der Bühne unter Beweis stellen. Ab sofort klang fröhlich die „Parole Emil“ durch Dresden, beispielsweise im Rahmen eines Auftrittes im Taschenberg-Palais im Rahmen eines bundesweiten Branchen-Kongresses. Vielen Kongressteilnehmern blieb der erfrischende Auftritt des Kinderchores, vor allem aber die „funkelnden Augen der Kinder beim Singen“ in Erinnerung.
Im August 2006 verließ der Gründer des Kinderchores Martin Wagner mit seiner Familie kurz vor der Premiere von „Emil und die Detektive“ zum großen Bedauern der Kinder die Staatsoperette, um in Magdeburg eine neue Aufgabe zu übernehmen. Seit September 2006 leitete die Gesangspädagogin Katharina Scheliga den Chor. Seit Gründung des Kinderchores ist  „Hänsel und Gretel“  mit dem Kinderchor in bislang sechs Spielzeiten fester Bestandteil des Adventprogramms der Staatsoperette.

In den Spielzeiten 2009/2010 und 2010/2011 folgten weitere Bühnenhöhepunkte für die Kinder. Auch im Erfolgs-Musical Jekyll & Hyde waren die Kinderstimmen gefragt. In der packenden Story um den verhängnisvollen Selbstversuch des Dr. Jekyll, der auf der Suche nach dem Besseren in der Welt das Böse entdeckt, sangen die Kinder als Ministranten das „Reqiem aeternam“ für die bedauernswerten Opfer des Mr. Hyde. In Georges Bizet’s bekannter Opéra comique „Carmen“ durften die Kinder als Chor der Gassenjungen die große Liebesgeschichte unter der glühenden Sonne Spaniens um Liebe, Hass und Eifersucht auf der Bühne mit eröffnen.

Der Kinderchor trat auch in verschiedenen Konzerten außerhalb der Staatsoperette auf, beispielsweise in der Leubener Kirche oder in verschiedenen Schulen und sozialen Einrichtungen. Auch in der Staatsoperette selbst gestaltete der Kinderchor zusammen mit dem Jugendclub mit „Ein Koffer voller Musik“ ein komplettes Bühnenprogramm. Für diese Auftritte hat der Kinderchor neben den Liedern aus den Bühnenproduktionen ein eigenes Repertoire aus internationalen Folkliedern und Songs aus Oliver von L. Bart.
Auch im Jugendtanzprojekt „Pardon!“ unterstützte der Kinderchor zusammen mit der Band Nash die gemeinsam Arbeit mit Schülern von Gymnasien und Mittelschule. Der Auftritt im Festspielhaus Hellerau wurde auf einer Musik-CD dokumentiert. Ob Musical, Operette, Oper, Folksongs aus aller Welt, in einem Chor zu singen, auf der Bühne zu stehen, Theater zu spielen, das alles erleben die jungen Künstler im Kinderchor der Staatsoperette. Dabei zu sein, wie sich ein Stück von der ersten Probe bis zur Premiere entwickelt und somit richtig Theaterluft zu schnuppern ist spannend und eine vielseitige Herausforderung für die Chorkinder.

Anlässlich des Tags der offenen Tür am 6. September 2014  stellte der Kinderchor mit einer gelungenen Aufführung von „Zirkus Furioso“ sein Können eindrucksvoll unter Beweis. „Zirkus Furioso“, das den Kindern musikalisch viel abverlangt, war im September 2015 auch zum 10-jährigen Jubiläum des Kinderchores wieder zu sehen.

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